Dateien, Dateien überall: Die subtile Kraft des Alignments von Übersetzungen

Miloš Matović Vor 6 Monaten Kommentieren

So sieht das Grundszenario aus: Sie haben nun die übersetzten Versionen Ihrer Dokumente, aber die Übersetzung wurde nicht in einem CAT-Tool gemacht. Sie brauchen aber einen Übersetzungsspeicher, da Teile dieser Dokumente aktualisiert oder einige Sprachen noch geändert werden müssen; Sie möchten bereits vorhandene Elemente beibehalten, wie z. B. den Stil und die Terminologie, und Sie haben mittlerweile die CAT-Technologie in Ihre Prozesse eingebaut. Die Lösung ist ein nützliches Tool der Sprachtechnik – das Translation Alingment.

Das Alignment zählt zu den Grundfunktionen der meisten Produktivitätswerkzeuge für computerunterstütztes Übersetzen. Die Nutzung dieser Funktion ist jedoch im wahren Leben oft auf sehr spezielle Situationen begrenzt, sodass auch Sprachexperten diese Funktion sehr selten nutzen. Trotzdem geschehen solche Situationen immer wieder einmal, und wenn es dazu kommt, ist das Alignment eine geeignete Lösung für die Prozessoptimierung. Im Anschluss schauen wir uns zwei Beispiele an, die uns ganz genau zeigen, was man mit der Funktion genau machen kann.

Erstes Beispiel: Ein einfacher Fall

Projektbeschreibung:

Drei Word-Dokumente, die zuvor in eine Sprache übersetzt wurden —
insgesamt 6000 Bruttowörter. Zwei neue Dokumente mit insgesamt 2500 Wörtern, die bestimmte Elemente der bestehenden Dateien enthalten und Stil sowie Terminologie beibehalten sollen.

Projektabwicklung:

Da die übersetzten Dokumente richtig formatiert waren und es keine Layout-Schwierigkeiten gab, war das Alignment so gut wie sofort abgeschlossen. Die Software konnte die Ausgangsdateien segmentieren und wir konnten die übersetzten Segmente mit einigen kleinen Segmentierungsänderungen zuordnen. Danach haben wir aus den angepassten Segmenten eine Translation Memory hergestellt und die neuen Dateien dem Projekt hinzugefügt.

Das Ergebnis:

Dank der vorhandenen Übersetzungen betrug die finale Wortzahl des neuen Inhalts etwa 1500 Wörter und unsere Übersetzer konnten die Übersetzung entsprechend dem bisherigen Stil und der Terminologie erstellen. Die terminologischen Ressourcen haben wir für die künftige Nutzung gespeichert.

Alignment im Einsatz.

Zweites Beispiel: Ein extremer Fall von mehrsprachigem Alignment

Projektbeschreibung:

Bei einem unserer Projekte mussten wir insgesamt rund 30 000 Wörter in vier Sprachkombinationen übersetzen. Die Ausgangstexte waren durch neuen Inhalt erweitert und der Gesamtumfang betrug um die 20 000 Wörter. Wir mussten bestimmte Sprachressourcen entwickeln, damit wir den existierenden Stil und die Terminologie auch in diesen Texten konsistent behalten können und dem Kunden dabei helfen, zu einer neuen CAT-Plattform zu wechseln.

Projektabwicklung:

Leider gab es keinen Umweg und wir mussten uns durch viele Dateien kämpfen — waren diese aber einmal organisiert, konnten wir mit der Phase des Alignments beginnen. Da diese Dateien lokalisiert und einige Teile davon sogar transkreirt waren, damit sie bei der Zielkultur besser ankommen, wobei es auch zu einigen Layout-Unterschieden und Inhaltsabweichungen gekommen war, wussten wir, dass das Alignment diesmal nicht völlig automatisiert sein wird.

Aus diesem Grunde haben Muttersprachler das Alignment durchgeführt und in dieser Phase mit dem Kunden und dem Produzenten der Inhalte kommuniziert. Obwohl es den Prozess zuerst ein bisschen verlangsamte, erzielten wir zum Schluss die bestmöglichen Resultate.

Danach haben wir die neue Translation Memory in ein Multi-Plattform TMX-Format exportiert, das sich in verschiedene CAT-Tools einsetzen lässt, und die Phase des Alingments war somit abgeschlossen.

Das Ergebnis:

Mit der Anwendung des TM-s haben wir die Nettomenge des neuen Inhalts von etwa 7000 Wörtern erreicht. Unsere Linguisten haben das neue Material entsprechend den bereits bestehenden Konventionen in der neuen CAT-Plattform lokalisiert und die Übersetzungsressourcen für die zukünftige Verwendung gespeichert.

Abschluss

In beiden Fällen ermöglichte uns das Alignment das Volumen der neu zu übersetzenden Wörter zu reduzieren und die stilistische und lexikalische Konsistenz mit den bereits übersetzten Texten zu bewahren. Darüber hinaus führte die Funktion auch eine Qualitätskontrolle in Echtzeit durch und half somit unseren Linguisten dabei, eine bessere Übersetzung in weniger Zeit zu erschaffen.

Das Alignment ist keine Funktion, die man jeden Tag benutzt, es ist aber gut zu wissen, dass man sie zur Hand hat, wenn man sie braucht.

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